holadiho
Benze

Im Oktober 2020 stehen ca. 230tsd KM auf dem Tacho. Technik und Fahrwerk waren bisher ohne Beanstandungen und unser Stricher hatte uns freudig durch die Gegend gefahren. Neben den üblichen Wartungsarbeiten war bisher kein Bedarf an Reparaturen.

Die Zeiten ohne Reisereien (Corona) soll genutzt werden, um so Einiges wieder auf Vordermann zu bringen:

--   Kurbelwelle Dichtring vorne – der sabbert schon wieder…

--  Die Steuerung vom M180: Die Einstellung von Zündung und Vergaser wird immer mehr ungenau, dazu sind die Dichtungen am Krümmer und Vergaserflansch nicht mehr überall ganz dicht.

--    Lenkgetriebe – verrichtet seit Dez 1974 klaglos seinen Dienst - nur das Spiel wird größer

--  Polsterei: nach langer Suche habe ich endlich einen Lieferanten für neue Auflagen aus gummierter Kokosfaser für die Vordersitze gefunden, der Sattler ist „um die Ecke“

--   195er….und Stoßdämpfer: Satte Straßenlage – die 120 PS wollen schließlich nicht nur auf der Geraden er“fahr“bar sein. An der Ampel nickt der Vorderwagen sehr stark ein – ich fand das bisher ganz lustig

--   Braune Pest: Hohlraum – Abschmier - Stoßstangen

 

Fangen wir an: wie unser Doktor https://www.holadiho.de/Holadiho-de/W126-500SE-Doktor/Renovierung-M117 soll auch unser Stricher die schönste Box in der Werkstatt bekommen. Allerdings muss die erst einmal frei werden. Da steht seit einiger Zeit ein T4 als Schlachter. Das Fleisch ist schon raus, jetzt steht nur noch das Gerippe…


Eine große Trennflex - dann raus damit....


Nu ist Platz:


Als erstes werden die Vordersitze ausgebaut und zerlegt. Die Polster wandern zum Sattler, der Rest wird gesäubert und gefettet.



Zur Dokumentation und Beruhigung wird die Kompression des M180 954 mit Motometer gemessen. Die Messung ist nicht so gaaaanz genau, aber die Werte beruhigen: Alle sechs Zylinder zwischen 9,5 und 10 bar.

Eine Renovierung mit Lagerschalen, Kolbenringen und Überholung Zylinderkopf scheint mir nicht notwendig. Die Kopfdichtung bleibt – auch hier nach 47 Jahren keine Leckage sichtbar.

Schau mer mal…..

Lasst die Spiele beginnen:

Wellendichtring, Steuerung und Dichtungen

Zur Vorbereitung …….wird zuerst ein Kaffee aus den von Jungfrauen gepflückten Bohnen gebraut. Schließlich will Peter, der uns mit Ersatzteilen versorgt, dafür belohnt werden….

Dann geht’s los: Nach einem lange ausgearbeiteten Plan (ca. 30 min) werden die Öle und das Kühlwasser abgelassen, der (bzw. die) Kühler ausgebaut und die Abgasanlage demontiert.

 Die Luftballons nutze ich gerne, dann tropft das restliche Öl nicht so rum….

Danach werden Krümmer und Ansaugbrücke demontiert:


Die Heizklappen kommen bei der Gelegenheit NEU. Beim Freundlichen werden inzwischen 130€ pro Satz aufgerufen.


Die korrekte Montage wird mit einem Heißluft Fön kontrolliert – nach drei Versuchen verrichten die Klappen Ihren Dienst wieder ordentlich.

Die Vergaser werden NICHT bearbeitet, die verrichten ihre Arbeit auch nach 47 Jahren ordentlich. Auf die Abgaskrümmer kommen neue Vergaserflansche – sonst nix.

Beim Ausbau vom Gasgestänge fallen plötzlich kleine Metallstifte herum – das ist das Nadellager. Neu gefettet kommen die Stifte wieder an den richtigen Platz.


Jetzt kümmern wir uns um die Steuerung. Also kommen die Scheiben ab, der Ventildeckel runter und ich wage mich an die Schwungscheibe. Dahinter muss gedichtet werden.

Also erst alles auf OT:


Die Scheibe ist ab – Kurbelwellenrad und Abstandsring werden sicht- und fühlbar. Beide Teile werden NEU….

Jetzt wir auch klar, warum der Dichtring sabbert. Der Abstandsring hat deutliche Riefen.


Zum Tausch stehen an:

Steuerkette / Nockenwellenrad / Zahnrad Kettenspanner / Kettenspanner / Zwischenrad / Kurbelwellenrad

Die Gleitschienen habe ich leider nur aus Plastik bekommen. Die Originalen aus Alu mit Auflage sind noch fast ohne Abrieb. Die bleiben also und dürfen weiterleben.

Hier die Bilder der Zahnräder, die Abnutzung ist deutlich zu sehen:

Nockenwellenrad



Zahnrad Kettenspanner


Zwischenrad – neu - alt

Zum Wechsel muss die Abdeckung neben der Wasserpumpe ab. Dann wird die Schraube sichtbar, mit der das Zwischenrad auf der Welle für den Verteiler befestigt ist.

 


Überhaupt – der Verteiler: Hier wurde anscheinend noch nie „gewischt“. Also alles zerlegt, sauber, dicht und schmier….Die Nocken der Verteilerwelle sind bereits leicht abgenutzt, irgendwann braucht das NEU.




Das Einziehen der Steuerkette ist mühsam. An einem Draht führe ich das erste Ende über alle Zahnräder, besonders schwierig wird das beim Übergang von Zwischenrad zu Kurbelwellenrad. Auf dem Schaubild sieht das ganz einfach aus….


Jetzt soll alles wieder an seinen Platz, vorher werden alle Teile gesäubert, Kleinteile wandern in das Ultraschallbad, die Gewinde nachgeschnitten. Dazu natürlich neue Stehbolzen und Kupfermuttern.


Bei der Montage vom Verteiler habe ich dann doch Schwierigkeiten. Jedes Mal, wenn ich den eingesetzt habe, drückt sich der beim Drehen der Kurbelwelle wieder raus, oder die Stellung passt nicht auf OT.


Ad 1: Raus springt der, weil die Verteilerwelle nicht richtig auf der Zwischenwelle sitzt.

Ad 2: Ich habe die Kerzen mit geraden Stecker montiert. Der erste Zylinder braucht aber den originalen abgewickelten Stecker, sonst lässt sich der Verteiler mit der Unterdruckdose nicht korrekt auf OT einstellen.



Inzwischen ist das Lenkgetriebe wieder zurück – generalüberholt:

Neue Welle – neue Dichtungen – neue Kupplung



 


Dann werden die Abschirmbleche am Krümmer behandelt.


Selbstverständlich gibbet neue Öle und Filter für Benzin, Servolenkung und Getriebe, dazu Zündkabel, Verteilerläufer, Unterbrecherkontakte und Zündkerzen. Auch die Bremsflüssigkeit wird gewechselt.

Der Probelauf nach grober Einstellung der Zündung zeigt nicht nur akustisch, wie viel Spiel die Steuerung vorher hatte. Jetzt läuft der M180 wieder sehr ruhig und tadellos.

Die Feinheiten stellt mein Spezialist später ein, der hat noch die komplette technische Ausrüstung (Bosch Tester) und richtig Ahnung.


Polstereien

Bei unserer letzten Tour durch England hatten wir nach spätestens zwei Stunden eine Pause nötig. Die Sitze waren einfach durchgesessen. Dazu hatte ich immer wieder hellbraunen Staub im Wagen – woher bloß????

Der Stoff ist noch sehr gut, unser Stricher steht immer in einer Tiefgarage, der Vorbesitzer hatte das seit 1974 ebenso. Also soll der Stoff nicht erneuert werden. Damit müssen die Polster aber gut passen. Also: mache ich mich in 2018 auf die Suche nach den Sitzpolstern – und stelle fest – gibbet keine…. Endlich – im Juli 2020 - bekomme ich Nachricht „Es gibt sie wieder“. Also bestellt….

Der Sattler ruft an:“kumscht amol“ – dann zeigt er mir das von Motten zerfressene Innenleben:

Die Aufkleber verraten, dass die Polster auch für einen W116 passen sollten:


Nach einigen Wochen sind die Sitze vorne fertig, danach bekommen Rücklehne und - Sitz ebenfalls neue Polster. Die Arbeit hat sich gelohnt. Die Sitze haben wieder richtig Kontur und sind straff gepolstert.


Chrom – Stoßstangen

Die Schutzgummis weisen einige kleinere Kampfspuren auf, das heißt ja auch Stoß- und nicht Zierstangen wie bei heutigen Autos. Von außen ist noch alles fit, kein Rost oder abgeplatzter Chrom.

 


Um dem vorzubeugen werden die Stoßstangen zerlegt – es zeigen sich erste Rostansätze an Träger, Verschraubung und Innenseiten:

Also wieder: Alles sauber – mein Favorit zur Vorsorge ist Brantho Korrux 3in1:

 

 

 

 

 

 


Danach werden neue Schutzgummis eingezogen, die kommen vom vdH als Meterware.

Kosmetik und Heizventil

Nach der Wäsche steht immer wieder Wasser auf dem Luftfilter, das rostet mit der Zeit.  


Die Dichtung am Hauptbremszylinder muss irgendwann mal Bremsflüssigkeit entlassen haben, das soll auch sauber:


 


Die Heizventile lassen sich teilweise nur schwer bewegen. Also wird das Bauteil zerlegt und mit neuen O-Ringen wieder montiert.


195er

Der M180 macht richtig Laune und unterstützt meine Fahrweise, die den Stricher recht flott bewegt. In der letzten Zeit wünsche ich mir dabei mehr Stabilität in den Kurven. Also möchte ich richtig fette Breitreifen – 195er sollen kommen. Dazu passt die zulässige Rad/Reifen Kombination W114 – Stand 12. April 2010 – Auszug:

 


Ich besorge mir also neue Felgen – nicht gerade zum Schnäppchenpreis, aber gepulvert, lackiert und mit neuen Radschrauben. Die Zierdeckel passen auch:


In Verbindung mit neuen Stoßdämpfern (die montierten sind ca. 12 Jahre alt) sollte die Straßenlage auch in Kurven deutlich besser werden.

 

Nu isser fettich

Wegen Platzmangel in der Werkstatt stellen wir unseren Stricher erst mal unter:

 

 


Kevin poliert den Lack, danach kommen alle Anbauteile wieder an seinen Platz.

Die Feineinstellung – immer dreierlei: Mechanik (Ventile) – Zündung – Vergaser erledigt Stefan.